12/2017 Stefan R. Haake: Gastbeitrag im TIAM Magazin zur Bedeutung des Investmentssteuerreformgesetzes für Stiftungen
1. Dezember 2017
Salon|Gespräch #3
8. Mai 2018
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04/2018 Stefan R. Haake: Gastbeitrag im Private Banking Magazin über Wege des Impact Investments für kleinere Stiftungen

BEST PRACTISE

So wird Impact Investing auch für kleinere Stiftungen möglich

Impact Investing oder auch wirkungsorientierte Vermögensanlage scheint für kleinere Stiftungen ein unmögliches Unterfangen. Wie ambitionierte Organisationen neben der Rendite mit dem Investment selbst auch einen übergeordneten Zweck erzielen, erklärt Stefan R. Haake, Marktvorstand des Pluralis Family Office.

Mission Investing, Microfinanz, Impact Investing oder Social Venture – Dahinter steht im Allgemeinen der Anspruch, neben einer messbaren Rendite mit dem Investment selbst auch einem übergeordneten Zweck zu dienen. Sicherlich hat sich, nicht zuletzt durch den globalen Einfluss der Microfinanz-Angebote, dieses Segment etablieren können – ein nicht abzustreitender Fortschritt.

Dabei sind der Ausgestaltung kaum Grenzen gesetzt: Mal verzichtet man zu Gunsten der übergeordneten Wirkungsrendite teilweise auf den monetären Ertrag, mal steht ausschließlich die sinnstiftende Rendite im Fokus. Einen besonderen Dreh bekommt diese Art der wirkungsorientierten Geldanlage, wenn der Investor selbst – im Rahmen seiner eigenen Vermögensverwaltung – in solche Sonderformen seine Vermögensressourcen einsetzt.

Denkt man diesen Ansatz weiter, so kann eine gemeinnützige Organisation oder Stiftung hiermit vielleicht sogar ihren eigentlichen satzungsmäßigen Zweck verwirklichen und zusätzlich eine monetäre Rendite vereinnahmen. Eine verlockende Idee, um seine Zweckverwirklichung und die mühselige Vermögensveranlagung in Einklang zu bringen, ist diese dann doch – im wörtlichen Sinne – lediglich Mittel zum Zweck.

Die Umsetzung scheint den meisten Organisationen nah. So ist doch Deutschland – historisch belegbar – geradezu eine Heimstätte der sachorientierten Wirkungsinvestitionen. Die Fuggerei in Augsburg etwa ist ein leuchtendes Beispiel. Seit 1521 setzt sie als älteste bestehende Sozialsiedlung die Stiftungsgelder von Jakob Fugger „Dem Reichen“ als Social-Venture-Real-Estate-Investment ein. Ein Argument, das verfängt.

Nur wie setze ich dies als Stiftungsverantwortlicher für meine Stiftung oder gemeinnützige Organisation um, wenn ich dem limitierenden Faktor der eignen Finanzstärke unterworfen und keine Milliarden-Stiftung bin?

Die Stiftungswelt ist heterogen und komplex in den individuellen Ausformungen der Zweckverwirklichung. So unterscheiden sich finanzielle Ressourcen, Fachwissen zu Finanzthemen und organisatorische Möglichkeiten im Hinblick auf eine strukturierte Planung, Durchführung und Kontrolle sowie Evaluation doch meist erheblich von Stiftung zu Stiftung. Daneben gilt es zu klären, ob eine Förderstiftung durch Impact Investing nicht zur operativen Stiftung umgebaut wird. Dem aber mit einer standardisierten Lösung zu Leibe zu rücken, bedarf einer Menge Anpassungsarbeit, von der man zu Beginn nicht sicher sein kann, dass diese auch Erfolge zeitigen wird.

Also ist impactorientiertes Investieren für ebenso kleine wie ambitionierte, innovative Stiftungen total unmöglich, könnte das oberflächliche Fazit lauten. Komplex zusammenhängende Komponenten in einem dauerhaft haltbaren Wirkungsrahmen zu organisieren, scheint – auch gerade angesichts der hier noch nicht betrachteten ethischen, sozialen und gesellschaftlichen Kriterien – beim Umgang mit dem Stiftungsvermögen eine schwer lösbare Aufgabe.

Best-Practise-Beispiel

Also wo sind die Beispiele gelungener Ansätze? Eine hinlänglich bekannte Herangehensweise ist der Schritt zurück, sprich das Betrachten aus einer distanzierten Perspektive auf die eigene Organisation. Der Blick in die Satzung, das Leben des Stifters also der Stifterwille geben hier meist die besten Hinweise auf eine passende Lösung. Arbeitskreise gründen, Initiativen initiieren oder Studien in Auftrag geben lösen das Problem der komplexen Herausforderungsmuster aber nicht. Handeln ist gefragt und angeraten.

Die BMW Foundation Herbert Quandt beispielsweise verfolgt mit dem Eberhard von Kuenheim Fonds den Ansatz eines ganzheitlichen Stiftungsmanagements, wie die Stiftung auf ihrer Website mitteilt. Das heißt: Der Stiftungszweck werde nicht nur durch das operative Stiftungsprogramm, sondern schrittweise auch durch die Vermögensanlage verwirklicht. Dabei arbeiten die Experten der BMW Foundation Herbert Quandt mit professionellen Partnern und Intermediären zusammen und tätigen mit diesen Fondsinvestments. Zudem erproben sie innovative Investmentinstrumente wie Social Impact Bonds.

Es gilt: Sich der Herausforderung stellen, versuchen niederschwellige Einstiege in zunächst einzelne Teilthemen zu finden, um sich dann immer umfassenderen und individuellen Lösungen anzunähern. Dieser Herausforderung sah sich 2017 auch das sehr junge Family Office Pluralis aus München gegenüber.

So sollte eine Anlageform gefunden werden, welche sechs Kriterien erfüllen sollte: Förderung der erneuerbaren Energien, langfristige Renditesicherheit, Einfachheit, weitgehende Risikominimierung, minimale Strukturkosten und das Erreichen eines durchschnittlichen Zinssatzes von drei Prozent. Dabei kam der Konstruktion der Risikoverteilung und dem Auffinden eines Anlagegegenstandes mit starken Erträgen besondere Bedeutung zu. Wegen der bekannten Kapitalmarktsituation war dies nur im unternehmerischen Umfeld zu erwarten.

Hochkomplexe und neuartige Strukturen wurden alsbald verworfen. Auf Grund hoher Kosten und schwer einzuschätzender Auswirkungen auf die besondere steuerliche Situation einer Stiftung fand man zurück zu historischen aber einfachen Ansätzen. Ähnlich wie diese seinerzeit von echten Privatbanken übernommen wurden. Bei diesen Ansätzen steht dem risikoaversen Anleger aber meist ein risikofreudiger Investor gegenüber, der sogenannte Risk Taker.

Der Ausgleich der Interessen findet daher über klassische Herangehensweisen im Rahmen einer Anleihe statt. Der Risk Taker geht bewusst das kalkulierbare, unternehmerische Risiko ein und erhält dafür den Übergewinn aus unternehmerischer Tätigkeit. Dabei stehen immer die klassischen Kaufmanntugenden im Vordergrund. Der Risikoaverse erhält eine feste Verzinsung ohne die Chance auf unternehmerischen Übergewinn.

Impact Investing ist möglich

Strukturelle Erfordernisse hin oder her, wie wird der Impact denn nun erreicht? Im vorliegenden Fall wird der unternehmerische Gegenstand durch den Betrieb eines Kraftwerkes für Erneuerbare Energien gestellt.

Dieser qualifiziert sich durch zwei stabilisierende Aspekte: Zum Einen erhält eine solche Anlage in der Regel eine zeitlich begrenzte Einspeisevergütung, zum Zweiten werden durch den auflaufenden Cashflow und den Sachwert der Anlage selbst die Auszahlung der Zinszahlung und die Rückzahlung am Ende der Laufzeit gewährleistet. Eine Vermischung mit sonstigen Risiken wir ausgeschlossen.

Die Abstimmung der einzelnen Komponenten aufeinander ist eine durchaus herausfordernde Aufgabe. Das Pluralis Family Office konnte hier mit dem Stifter|Salon aus München jedoch einen Mitstreiter mit hochwertigem Netzwerk und hoher Expertise im Stiftungswesen gewinnen. Gemeinsam gelang es, exklusive Zugriffe auf Erneuerbare Energieanlagen zu etablieren, Kostenstrukturen zu minimieren und eine schlanke, nachhaltige Geldanlage als sogenanntes Private Placement auf den Weg zu bringen.

Eine Wertpapierkennnummer gehört ebenso wie der Verzicht auf die Vermischung mit sonstigen Aktivitäten des Family Office sozusagen zur Grundausstattung der Impact-Anleihe. Dabei steht das gewonnene Wissen – sozusagen als Open-Source-Material – jedem Interessierten auf Anfrage zur Verfügung. Das Beispiel zeigt: Impact Investing ist möglich, auch bei verblüffend einfacher Struktur. Wissen kann durch ein starkes Netzwerk und Kooperation substituiert werden. Es gibt noch viel Potential zu heben.

Dieser Artikel erschien am 10.04.2018 unter folgendem Link:
https://www.private-banking-magazin.de/best-practise-wie-impact-investing-im-stiftungswesen-moeglich-ist/

Stefan R. Haake
Stefan R. Haake
Stefan R. Haake ist seit vielen Jahren dem Stiftungswesen verbunden. Durch seine Tätigkeit für Privatbanken und Family Offices hat er in den letzten Jahren auch sinnstiftende und generationsübergreifende Anlagestrategien erfolgreich gestaltet. Als zertifizierter Stiftungsmanager (DSA), diplomierter Bankbetriebswirt und Dipl. Finanzökonom bringt er neben seiner Qualifikation zum Bank-Geschäftsleiter sowohl Stiftungswissen als auch betriebswirtschaftliche Expertise mit.