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STEUERREFORM BRINGT
STIFTUNGEN IN NOT!

Mit dem Investmentsteuerreformgesetz kommt eine Regelung auf Investoren zu, die für
gemeinnützige Organisationen mit Steuerprivileg Konfliktpotenzial birgt. Vor allem aber
löst sie dringenden Handlungsbedarf aus. Denn: Stiftungen sind keine Anleger!

Stiftungen sind gemeinwohlorientierte Zweckgesellschaften, mit dem Auftrag zur gemeinnützigen Wirkungsentfaltung. Der Verwirklichung des Stiftungszwecks kommt die alleinige Ausrichtung allen Tuns zu. Der Wirkungsorientierung in allen taktischen, strategischen und tagesgeschäftlichen Handlungen haben sich auch die Belange der Vermögensverwaltung, so sie denn aktiv betrieben wird, unterzuordnen. Das Stiftungskapital zu veranlagen folgt demnach nur dieser Prämisse und dient nicht einer hauptzwecklichen Vermögens- respektive Renditemaximierung. Das müssen die Profis, so sie denn Stiftungen oder Gemeinnützigen als Geschäftspartner oder Leistungsanbieter gegenüberstehen, stets berücksichtigen. Denn die Kapitalanlage von Stiftungen ist nur Mittel zum Zweck und muss leicht zu verstehen, in den Ablauf der Stiftungsarbeit einfach zu integrieren und allen Stakeholdern in ihren Konsequenzen leicht zu vermitteln sein.

Paradigmenwechsel
Sinn und Zweck des Investmentsteuerreformgesetzes ist eine Neubeurteilung des steuerrechtlichen Status von Investmentfonds als eigenständige, im Grundsatz voll körperschaftsteuerpflichtige Steuersubjekte – also eine Harmonisierung in der Besteuerungssystematik. Erträge sind damit direkt bei der Fondsgesellschaft körperschaftsteuerpflichtig. Zum bisherigen Vorgehen ist dies indes ein Paradigmenwechsel, denn die Besteuerung findet künftig auf Fonds ebene statt und betrifft alle inländischen Einkünfte, auf die grundsätzlich 15 Prozent Körperschaftsteuer anfallen –  zuzüglich Solidaritätszuschlag.

Aufgrund dieser Neuregelung kommt es zu einer steuerlichen Vorbelastung bereits auf Fondsebene. Bei gemeinnützigen Organisationen, welche Publikumsfonds halten, kommt somit die Ausschüttung mit 15-prozentigem Malus an. Wegen einer fehlenden Anrechnungsmöglichkeit auf die tatsächliche Steuerbelastung, beispielsweise wie für Privatpersonen im Rahmen einer Steuererklärung, stellt dies eine beträchtliche Schlechterstellung dar. Eine Sonderregelung für Stiftungen und Ähnliches wurde im Gesetz nicht vorgesehen. Auch ist keine Übergangsregel oder sonstige Erleichterung angedacht.

Die Zeit drängt

Dass Fondsgesellschaften hier nun eine smarte „Erleichterungsdienstleistung“ einführen und ihre Kundschaft selbst in Gemeinnützige und Privatpersonen selektieren, ist unmöglich. Denn ein Fonds muss aus seinem Status als Steuersubjekt heraus festlegen, für welche Art von Anlegern er offen ist und dann gegenüber den Steuerbehörden offiziell optieren. „Es geht, platt gesagt, nur hü oder hott. Natürlich ist es denkbar, dass Fondsgesellschaften solche Spezialvehikel ins Leben rufen – und aus der Branche sind solche Entwicklungen ja bereits kolportiert worden –, jedoch muss sich jeder Betroffene vor Augen führen, was dies für ihn konkret im Einzelfall bedeutet“, empfiehlt Beata Baroth von der BBC Treuhand- und Steuerberatungsgesellschaft AG. So sollte sich jede gemeinnützige Organisation mit Publikumsfonds im Portfolio die folgenden drei Fragen stellen: 1. Welche Strategien bilden die Publikumsfonds in meinem Portfolio ab? 2. Bieten die Fondsgesellschaft(en) ein „Auffangprodukt“ für Gemeinnützige an? 3. Bildet dieses Vehikel die beabsichtigte Strategie unverwässert ab? Hat man diese Fragen beantwortet, beginnt erst die eigentliche Arbeit. Denn in die Umstellungsprozesse sind die Gremien zu involvieren, insbesondere dann, wenn das neue Auffangprodukt nicht die bisher beabsichtigte Anlagestrategie abbildet. Im schlimmsten Fall wirft dieser Fakt die gesamte Vermögensstrukturierung über den Haufen, und die Vermögensallokation muss von Kopf bis Fuß neu überdacht, ausgeführt und überwacht werden. Das Nadelöhr, sofern man nicht als Stiftungsvorstand durch eine Freistellung im Rahmen einer verabschiedeten Anlagestrategie verfügt, ist die nächste Gremiensitzung. Nimmt man es genau, so ist jeder Stiftungsvorstand gut beraten, in jedem Fall eine Gremiensitzung einzuberufen und über den Sachverhalt zu informieren, weil fundamentale Entscheidungen für das Stiftungsvermögen die Folge sein können. Angesichts des Fehlens von Übergangsfristen kann dies zu einem äußerst zeitkritischen Unterfangen werden. Wenn am 31.12.2017 mein Fonds noch existiert, aber am 01.01.2018, in Ermangelung einer Gremienentscheidung und/ oder dem völligen Fehlen eines Auffangprodukts aus derselben Hand, in Euro und Cent aus dem laufenden Konto der Stiftung ausgebucht wird, stellt sich die Frage: Bleibe ich mit dem Kontostand noch unter der Abzugsgrenze für Minuszinsen? Bei einem kategorischen „Nein“ auf diese Frage, kommt dann zum ärgerlichen Kapitalstatus noch der Fakt hinzu, dass nun das Stiftungsvermögen dem realen Abschmelzen durch Minuszinsen unterworfen wird. Sicher wird dies nur wenige Stiftungen wirklich treffen, aber es macht anschaulich, was die praktischen Folgen der Gesetzesnovelle in der Realität konkret bedeuten können.

Gut gemeint, schlecht umgesetzt

Auftretende Probleme bei der praktischen Umsetzung einer neuen Besteuerungsgrundlage sollten im Sinne der realen Erfordernisse von Betroffenen gelöst werden. Oder anders ausgedrückt und ohne an dieser Stelle polemisch zu werden: Die bisherige Praxis, Gemeinnützige einfach mit Publikumsfonds zu versorgen und diese nicht auf Passgenauigkeit zu hinterfragen, war nicht angemessen und wird keine Zukunft haben können. Es muss auch erlaubt sein, darauf hinzuweisen, dass sich die Anlegerschaft auch in vielen der sogenannten Stiftungsfonds aus Privatkunden rekrutiert. „Anlegen wie Stiftungen“, nämlich strikt kapitalerhaltend, nach Möglichkeit sogar real, erschien doch bislang auch für zunehmend risikoaverse Anleger eine herausragende Lösung und eine passgenaue Befriedigung ihrer Bedürfnisse in diesen stürmischen Nullzins-Anlagezeiten zu sein.

Was kommt?

Aus und vorbei: Eine gemischte Anlegerschaft aus Stiftungen und Privatpersonen wird es in der neuen Besteuerungswelt nicht mehr geben. Die Chancen für spezialisierte Stiftungsprodukte sind dadurch aber enorm gestiegen. Gemeinnützige werden bei entsprechender Optierung der Fondsgesellschaften unter sich bleiben. „Die Durchsetzung branchenimmanenter Bedürfnisse wird damit vielleicht sogar künftig besser möglich sein“, hofft Steuerexpertin Baroth. Übergeordneter Nutzen im Sinne einer Zweckverwirklichung durch die Kapitalanlage könnte in die Finanzdienstleistungsprodukte Einzug halten. Impact Investing als selbstverständlicher Bestandteil von Stiftungsprodukten, oder die Einhaltung strikter Ethik-Chartas, kann nun leichter ermöglicht werden. Denn Stiftungen sind keine Anleger, welche im Zweifelsfall auf „teure“ Zusatzdienste wie ESG-Kriterien zugunsten einer besseren Rendite verzichten, sondern gemeinwohlorientierte Organisationen, für welche die Kapitalanlage immer nur Mittel zur Zweckverwirklichung sein darf.

Dieser Artikel erschien am 04.2017
https://www.stiftersalon.de/wp-content/uploads/2020/04/201712_TIAM_Magazin_Artikel.pdf

Stefan R. Haake
Stefan R. Haake
Stefan R. Haake ist seit vielen Jahren dem Stiftungswesen verbunden. Durch seine Tätigkeit für Privatbanken und Family Offices hat er in den letzten Jahren auch sinnstiftende und generationsübergreifende Anlagestrategien erfolgreich gestaltet. Als zertifizierter Stiftungsmanager (DSA), diplomierter Bankbetriebswirt und Dipl. Finanzökonom bringt er neben seiner Qualifikation zum Bank-Geschäftsleiter sowohl Stiftungswissen als auch betriebswirtschaftliche Expertise mit.