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DIE RÜCKKEHR DES RISIKOS

DIE RÜCKKEHR DES RISIKOSKapitalerhalt hat Priorität

Können die Deutschen nicht mit Geld umgehen? Aktien made in Germany steigen seit dem Tief um mehr als 150 Prozent – und viele Bundesbürger steigen aus.

Denn den Rekordständen bekannter Aktienindizes wie Dax oder Dow Jones zum Trotz sank hierzulande im vergangenen Jahr die Zahl der Privatanleger, die auf Dividendentitel setzen. Um rund 600 000. Der aktuellen Jahresstatistik des Deutschen Aktieninstituts zufolge beträgt die Aktionärsquote nur noch 13,8 Prozent. 2012 waren 14,7 Prozent der Bevölkerung an der Börse investiert.

Haben jene, die Reißaus genommen haben, und die anderen, die nicht scharenweise Aktien gekauft haben, die Chancen der Dividendenwerte falsch eingeschätzt? Oder fürchten sie deren Risiken zu sehr? Immerhin gehören auch die heftigen Einbrüche nach 2001, nach 2008 und im Jahr 2011 zum persönlichen Erfahrungsschatz vieler Anleger. Wer einmal mit Aktien 50 Prozent seines Einsatzes verloren hat, kann sich auch über 100 Prozent Kursgewinn danach nicht freuen. Dann hat er immer noch weniger verdient als mit einem Tagesgeldkonto.

Eine andere Fondsstatistik belegt, dass deutsche Anleger durchaus Aktienanteile im Depot haben wollen. Aber nicht in Reinkultur, sondern abgeschirmt mit festverzinslichen Wertpapieren. Mischfonds nämlich zählten 2013 zur beliebtesten heimischen Fondsgattung. Sie führten in dem Jahr die Absatzhitliste des Branchenverbands BVI klar an. Für 18,2 Milliarden Euro haben Anleger die breit gestreuten Produkte gekauft.

Assets mischen plus das Kapital erhalten gehört zu den vorrangigen Hausaufgaben sogenannter Stiftungsfonds. Sind sie daher die Ideallösung im aktuellen Umfeld aus attraktiven Aktien und unattraktiven Anleihen? Von der Papierform her ja. Denn Stiftungen dienen meist auf Dauer gemeinnützigen Zwecken. Dazu benötigen sie neben den Spenden regelmäßige und nachhaltige Erträge zur Finanzierung ihrer Stiftungszwecke. Um diese Aufgabe nicht zu gefährden, dürfen sie ihren Kapitalstock nicht verspekulieren. „Substanzerhaltung ist die Gewährleistung der Dauerhaftigkeit einer Stiftung, in dem das Vermögen unter Berücksichtigung des Inflationsausgleichs in seinem Wert erhalten bleibt und nicht geschmälert wird“, definiert umständlich der Bundesverband Deutscher Stiftungen. Im Klartext: Das Vermögen ist nach Inflation zu erhalten, um Erträge zu generieren. „Stifter erwarten eine besonders stetige Rendite, um den Stiftungszweck nachhaltig erfüllen zu können“, sagt Stefan R. Haake, Geschäftsführer bei Portfolio Consulting, eines der ersten Family-Offices im deutschsprachigen Raum.

Verantwortlich für den Werterhalt des Stiftungsvermögens sind die Stiftungsorgane. Wenn sie sich also für den Kauf eines Investmentfonds entscheiden, sollte der konservativ genug anlegen, um das eingesetzte Kapital nicht zu gefährden. Es sollte aber auch genug Ertrag abwerfen, um den Stiftungszweck finanzieren zu können. Sicherheitsorientierte Stiftungsfonds scheinen daher bestens geeignet für konservative Privatanleger, die Ersatz für ihre spärlich verzinsten Tages- und Festgelder suchen. Es hat sich gezeigt, „dass die Anlagephilosophie von Stiftungen und vermögenden Privatpersonen häufig identisch ist“, sagt Haake.

Wie gut, dass die 38 in Deutschland angebotenen Stiftungsfonds nicht nur Stiftungen vorbehalten sind, sondern auch Privatanlegern offenstehen. Ihre Preise bewegen sich bis auf wenige, die mehr als 500 Euro pro Anteil kosten, im Rahmen des Üblichen. Grundsätzlich investieren Stiftungsfonds in diverse Anlageformen, sie gehören daher zur Gruppe der Mischfonds. Sie unterscheiden sich sowohl nach ihrer Aktiengewichtung als auch nach ihrem Risiko. Portfolio Consulting zählt 64 Prozent Stiftungsfonds mit defensiver, 31 Prozent mit ausgewogener und fünf Prozent mit offensiver Ausrichtung.

Bleibt die Frage, ob die Exoten nur eine Marketing-Hülle sind oder halten, was sie versprechen. Dieser Frage ging Portfolio Consulting nach. Ihr eigens kreierter Stiftungsfondsindex fasst die Wertentwicklung der in Deutschland zugelassenen Stiftungsfonds zusammen. Um seine Performance beurteilen zu können, entwickelten die Frankfurter auch einen Vergleichsindex. Ergebnis: Der Stiftungsfondsindex legte seit 2003 kumuliert 38,31 Prozent oder 3,06 Prozent pro Jahr zu. Damit bleibt er erheblich hinter der Wertentwicklung des Vergleichsindex von 99,34 Prozent oder 6,63 Prozent p. a. zurück. Auch gegenüber deutschen Anleihen, die seit 2003, gemessen am REXP, kumuliert um 62,17 Prozent oder 4,60 Prozent p. a. stiegen, schneidet die Gesamtheit der Stiftungsfonds schlecht ab.

Also macht nur ein Investment in die Top-Fonds Sinn. Dann werden Unterschiede deutlich: Über drei Jahre liegt die Durchschnittsrendite der defensiven Stiftungsfonds laut Portfolio Consulting bei 6,27 Prozent. Die besten fünf aber erwirtschaften eine Rendite von mehr als zehn Prozent. Beim viel beachteten Risiko spielen Stiftungsfonds ihre Vorteile aus. Der Maximum Drawdown, also der maximale kumulierte Verlust innerhalb der 3-Jahres-Periode, gilt als Risikomaß. Der Stiftungsfondsindex weist einen maximalen Verlust von minus 4,74 Prozent auf. Das Top-Trio der defensiven Fonds blieb unter einem Maximum Drawdown von 1,9 Prozent. Was aber nicht ausschließt, dass es bei einem Crash deutlich mehr werden.

Denn die Betreuer der Stiftungsfonds unterliegen den gleichen Börsenbedingungen wie andere Fondsmanager. Sie können nicht zaubern. Aber es lassen sich Stiftungsfonds finden, die bisher stetige Erträge und ein ausgewogenes Chance-Risiko-Verhältnis bieten. Fazit der Portfolio-Consulting-Studie: „Hervorragend abgeschnitten hat bei den defensiven Fonds der LAM-Stifterfonds-Universal und bei den ausgewogenen der Fonds für Stiftungen von Invesco.“ Für den LAM-Fonds begeisterte sich auch das Stiftungsmagazin „RenditeWerk“ und wählte ihn zum besten Stiftungsfonds des Jahres 2014.

Solche Fonds sollten sich als gute Wahl für jene erweisen, die Teile ihrer Ersparnisse nicht länger einer Bank, sondern einem Stiftungsfondsmanager anvertrauen wollen.

Mehr als Festgeld Die Renditechancen eines Investments in festverzinsliche Wertpapiere mit erstklassigen Bonitätsnoten sind begrenzt. Über den Zinskupon hinaus sollte der Investor keinen Zusatzgewinn erwarten. Kursgewinne können sich zwar einstellen, wenn die Europäische Zentralbank das Zinsniveau hierzulande weiter künstlich nach unten schleust. Doch der Kursspielraum bleibt auch dann begrenzt, denn die unaufhaltsam näher rückende Tilgung zum Nominalwert hält den Anleihenkurs automatisch im Zaum. Auch eine Bonitätsverbesserung kann keinen Kursschub auslösen – Schuldner, die schon ein AAA ziert, haben keinen Aufwertungsspielraum. Mehr Renditechancen eröffnen sich nur jene Anleger, die einen Teil ihrer Zinsinvestments in Mischfonds tauschen, die wohldosiert auch auf Aktien setzen. In Hausse-Zeiten dürfen sie sich dann über zweistellige Wertzuwächse der Top-Fonds freuen. Und dennoch: Als Depotergänzung für konservative Anleger eignen sich Fondslösungen erst dann, wenn sich die Rückschlaggefahr in Grenzen hält. Denn wer nur Tages- und Festgeld kennt, hat bisher keine Erfahrungen mit Kursverlusten gemacht. Er wird sich allenfalls solche Fonds ins Depot legen, die innerhalb überschaubarer Zeiträume voraussichtlich nur minimal ins Minus abtauchen.

Dieser Artikel erschien am 19.03.2014 unter folgendem Link:
https://www.focus.de/finanzen/boerse/die-rueckkehr-des-risikos-kapitalerhalt-hat-prioritaet_id_3698862.html

Stefan R. Haake
Stefan R. Haake
Stefan R. Haake ist seit vielen Jahren dem Stiftungswesen verbunden. Durch seine Tätigkeit für Privatbanken und Family Offices hat er in den letzten Jahren auch sinnstiftende und generationsübergreifende Anlagestrategien erfolgreich gestaltet. Als zertifizierter Stiftungsmanager (DSA), diplomierter Bankbetriebswirt und Dipl. Finanzökonom bringt er neben seiner Qualifikation zum Bank-Geschäftsleiter sowohl Stiftungswissen als auch betriebswirtschaftliche Expertise mit.